Neubeginn am Glocknerhaus

Das Glocknerhaus blieb nach dem Ersten Weltkrieg bis 1929 geschlossen, Naturgewalten, Einbrüche und Vandalismus gaben dem Haus kein einladendes Aussehen. Wieder steigende Besucherzahlen und die bereits erwähnte Fertigstellung der Straße rechtfertigten eine Sanierung bzw. eine Aufstockung des Hauses, die in den Jahren 1926/27 erfolgten. Die Beliebtheit des Glocknerhauses nahm von Jahr zu Jahr zu, naturgemäß stellte der Zweite Weltkrieg eine Zäsur dar. Die englische Besatzungsmacht in Kärnten und der Steiermark beschlagnahmte 1945 das Schutzhaus und machte es bis 1948 zum Standort der britischen Hochgebirgsschule für Offiziere. Nach der Rückgabe des Besitzes mußte wirklich von einem Neubeginn gesprochen werden, die Bausubstanz war in einem fürchterlichen Zustand, das Inventar gestohlen oder vollkommen unbrauchbar. Die Bewirtschaftung wurde 1948 wieder aufgenomen, notwendige Instandsetzungen gingen 1955 in einen größeren Um- und Ausbau über. Die vorhergehenden, mehrmaligen Um- und Zubauten bildeten einen funktional nicht befriedigenden Grundriss, worauf das Haus grundlegend umgebaut wurde. Nach einer intensiven Bauphase wurden die Bemühungen 1964 beendet und das Glocknerhaus war als attraktiver Stützpunkt im Talschluß der Möll wiederhergestellt. Die letzten Jahrzehnte zeichneten sich auf baulicher Seite nicht mehr durch massive Maßnahmen, als durch Hebung des allgemeinen Standards aus, der teilweise Umstieg auf erneuerbare Energie durch die Installierung einer Photovoltaikanlage zeigt natürlich auch den verständlichen Ausdruck des schonenden Umgangs mit der Natur. Dieser Gedanke zeigt aber im Bewußtsein der Eingriffe an der 300m höher gelegenen Franz-Josefs-Höhe den sensiblen Wert des Glocknerhauses für das südliche Glocknergebiet.

Das Glocknerhaus steht jetzt, 125 Jahre nach dem Baubeginn, vor der Frage der eigenen Bestimmung: Wird der Einfluß der Hochalpenstraße den Charakter des Schutzhauses weiter massiv bestimmen oder wird z.B. das kontinuierliche Abschmelzen der Pasterze das Glocknerhaus wieder zu einem denkbaren Stützpunkt für den Glockneraufstieg machen, ihm seinen vormals alpinen Geist wieder zurückgeben?

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